10 Fragen an Starfotograf Andreas Jorns

Andreas: Du bist über die Deutschen Bundesgrenzen hinaus bekannt, warum?

Das dürfte mit den Büchern zusammenhängen, die ich geschrieben habe. Ich bin ja Autor von zwei Fachbüchern über die Blitzfotografie, die 2010 und 2012 erschienen sind. Die Wahrnehmung als Fotograf kam dann etwas zeitverzögert.


Du bist regelmäßig für Workshops gebucht, was zeichnet dich als Workshopleiter aus?

In das Thema Workshops bin ich durch die Leser meiner Bücher reingerutscht. Viele haben gefragt, ob ich für diese Themen nicht auch Workshops anbiete und irgendwann habe ich es dann einfach getan. Was mich als Workshopleiter auszeichnet, sollte man vielleicht meine Teilnehmer fragen. Fakt ist, dass meine Workshops so konzipiert sind, dass ich individuell auf jeden einzelnen Teilnehmer und seinen Kenntnisstand eingehe. Geringe Teilnehmerzahl, keine vorgefertigten Skripte, die stur abgearbeitet werden und die Beschränkung trockener Theorie auf ein absolutes Minimum sind wahrscheinlich die Gründe für die tolle Resonanz auf meinen Workshop-Angebot, über die ich mich wirklich nicht beklagen kann. Aber unter uns: Der eigentliche Grund für den Erfolg liegt in der Tatsache begründet, dass ich immer die tollsten Models bei den Workshops dabei habe ...



Deine Bilder haben meist einen verträumten Charakter mit Farbstich, willst du uns deine Technik verraten?

Da halte ich es mit James Bond: ich könnte es dir verraten, aber dann müsste ich dich anschließend töten, Stef ...

Mein Bildlook hat ganz maßgeblich damit zu tun, dass ich mit der analogen Fotografie aufgewachsen bin und mein Herz heute noch für die Schwarzweiss-Fotografie schlägt. Mehr als 50% meines Outputs ist schwarzweiss und wenn ich Farbe einsetze, dann gern reduziert-verwaschen mit leichtem Cross-Effekt - ganz so wie man es von falsch entwickelten Polaroid-Fotos kennt! Auch wenn ich seit einigen Jahren nur noch digital fotografiere und die Vorteile der digitalen Fotografie zu schätzen weiss, ist mir der Bildlook out of cam oft zu "clean", weshalb ich bewusst die ein oder andere "Störung" einbaue ...



Du bist sehr beliebt bei deinen Modellen, man hört nur gutes! Was ist dein Geheimnis?

Oh? Ist das so? Sagen wir so: ich bin der Überzeugung, dass man kein Arschloch sein muss, um in der Branche Erfolg zu haben. Ich mag einfach ein angenehmes Klima am Set. Für meine Art der Fotografie ist dies sogar essenziell - wenn sich das Modell nicht wohl fühlt, kann ich mich auf den Kopf stellen; es werden keine herausragenden Bilder entstehen können.



Hat Andreas ein fotografisches Vorbild?

Ich bin sehr open-minded, was andere Fotografen und ihre Arbeiten angeht. Ich besitze unzählige Bildbände und besuche regelmäßig Fotoausstellungen - im übrigen auch von Fotografen, die einen komplett anderen Stil haben als ich selbst. Einer, den ich besonders schätze, ist Jim Rakete - ich liebe seine unaufgeregten Portraits ohne viel Brimborium. Er versteht es mit seinen Aufnahmen, den Charakter der abgelichteten Person herauszukitzeln, indem er auf überflüssigen Schnickschnack verzichtet. Dem versuche ich, mit meiner Fotografie nachzueifern.



Wenn du dich in 20 Jahren siehst, was würdest du über Andreas Jorns 2013 denken?

Auweia. Ich mag es eigentlich nicht, soweit in die Zukunft zu schauen, aber ich sage mal so: in 20 Jahren bin ich hoffentlich altersmilde genug, um nicht kopfschüttelnd auf das Jahr 2013 zurückzublicken ...



Wie wichtig ist dir Technik, oder ist dir Technik wichtiger als Kreativität?

Technik ist für meine Art der Fotografie völlig irrelevant. Ich behaupte sogar, dass sie für ausdrucksstarke Portraits schädlich sein kann. Jetzt könnte man mir entgegenhalten, dass das ausgerechnet jemand sagt, der mit Leica fotografiert. Ich sehe darin aber keinen Widerspruch. Im Gegenteil: Leica M und 50 mm Objektiv - damit entstehen 90 % meiner Porträtaufnahmen. Kein Blitz, keine Automatik, kein Autofokus - weniger Technik geht eigentlich nicht.

Zum Thema Kreativität: diese wird in der Portraitfotografie meines Erachtens überbewertet. Zumindest dann, wenn man Kreativität mit aufwendigen Inszenierungen und spannenden Locations gleichsetzt. Mein Motto: für ausdrucksstarke und fesselnde Porträts braucht man keine rosa Elefanten ...



Gibt es für dich das "perfekte Bild"? Wann ist ein Bild für dich "perfekt"?

Nein! Gibt es nicht! Denn "perfekt" impliziert, dass man ein Bild objektiv bewerten kann. Dem ist aber nicht so ...



Lieber Dunkelkammer oder Photoshop? 

Ich habe die Arbeit in der Dunkelkammer geliebt. Aber die Zeiten sind vorbei. Die Dunkelkammer des digitalen Zeitalters heißt Photoshop, das ich allerdings sehr sparsam einsetze. Alles andere wäre mit der Art meiner Porträt-Fotografie nicht vereinbar.



Zu guter letzt:  Leica oder Hasselblad?

Zum Schluss also doch noch mal Technik? Also gut: beides hat seine Berechtigung - für meine Art der Fotografie (natürliche, uninszenierte Portraitfotografie) hat sich Leica mit seinen kleinen Messsucherkameras bewährt.

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