Interview bei der WE-ARE Tour auf Lanzarote

„Schön ist mir zuwenig“. Interview mit Stefan Dokoupil, 2012

Wie weißt du, dass das Licht passt?
Ich überliste die Sonne.

Wie machst du das Licht passend?
Das Auge funktioniert wie ein Objektiv, das Objektiv funktioniert wie das Auge. Umso weniger Licht hineinkommt, umso größer das Problem, dass das Licht schön wird. Wenn ich dem Licht viel Platz gebe, sich zu entfalten, wird das Licht schöner. Es gibt keine stärkere Lichtquelle als die Sonne. Man kann mit dem Licht oder gegen das Licht fotografieren. Ich muss vorne aufhellen. Wie viel Licht kommt von vorne, wie viel Licht muss ich geben? Dann wird es hyperrealistisch!  Ich verwende die Sonne wie einen zweiten Blitz. Der Zeitpunkt ist das Allerwichtigste. Ich beobachte die Sonne ganz genau.

Ein genialer Fotograf ist, wenn ...
... jemand das lebt, was er ist. Egal ob er Koch ist, Maurer oder Architekt. Es gibt aus jeder Branche Menschen, die den Job um des Jobs Willen machen. Und es gibt Leute, die den Job machen, weil sie es einfach müssen – weil es ihre Berufung ist. Vor diesen Leuten habe ich Respekt.  Die genau wissen, wo sie hin wollen, die auch ein Risiko eingehen, Menschen, die das machen, nicht weil andere sagen, du musst das machen. Irgendwann bin ich auf Fotografieren gekommen, und ich hab gewusst, das ist es. Ich habe keine Angst mehr und mir bleibt auch nichts anderes mehr übrig. Denn: Das ist mein Ding. Würde man mir das Fotografieren wegnehmen, würde ich sterben, das wäre mein sicherer Tod. Wenn ich blind werden würde, wäre das das Schlimmste.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – wer ist für dich ein besonderer Fotograf?
Terry Richardson – der lebt das einfach – er lebt Fotografie. Was macht ihn so besonders? Dass er dazu steht, was er macht! Seine Fotos sind gar nicht so besonders. Er hat es geschafft, dass er seinen unperfekten Stil so inszeniert, dass jeder sagt, echt genial. Man muss die Regeln kennen, um sie brechen zu können. Er macht das auf den Punkt.

Was macht dich in deiner Einzigartigkeit aus?
Ich werde sicher nicht das Ego anderer Leute befriedigen, um meine Kunst durchzusetzen oder Geld zu verdienen. Ich mache das, was ich gern mache. Ich verkaufe mich nicht. Es gibt in der Fotografie nicht mehr viel, was ich nicht weiß, und wenn ich es nicht weiß, dann weiß ich es morgen. Mir ist es zu wenig, wenn jemand sagt, für mich passt es – mit so wenig gebe ich mich nicht zufrieden. Es muss etwas Tolles, Bombastisches sein … es muss auch für andere, für alle passen. Ich werde immer auf der Suche sein – in dem Augenblick, in welchem du die Sehnsucht nach dem perfekten Foto, Satz, ..., was auch immer hast, ist das der Motor. 

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Comments: 2
  • #1

    Herman Frei (Monday, 15 July 2013 14:00)

    Wahre Worte vom Meister! Danke!

  • #2

    firefly (Monday, 15 July 2013 14:03)

    welche Drogen nimmst du so?