Photoshop vs. Fotografie

Ich werde oft gefragt, wie viel Photoshop ich in meinen Bildern einsetzte. Mir eilt anscheinend eher der Ruf eines Photoshopers denn eines Fotografen voraus. Dazu möchte ich gerne ein paar Gedanken anbringen.

Wozu braucht man Photoshop und vor allem wie viel? Ich für meinen Teil habe erkannt, dass ein gutes Foto eigentlich fast keinen Photoshop benötigt. In Wahrheit ist es für mich eine Art digitale Dunkelkammer, wo ich meine Bilder entwickle. Klar, es gibt natürlich Bilder, bei welchen man um PS nicht herumkommt, gerade in der Werbung. Man beachte da Uli Staiger oder auch Calvin Hollywood und Wimmer & Kutzler. Um nur ein paar Beispiele zu nennen. Für mich ist es aber immer wichtiger, den wahren Wert eines Bildes, eines eingefangenen Moments zu erfassen. Man kann mit Photoshop surreale Welten erschaffen, nur die Seele fangen, kann man damit nicht. Ja klar, man kann es kombinieren, was ich auch schon versucht habe, nur ist es dann nicht mehr "echt". Viele Anwender setzten PS einfach nicht richtig ein und schießen über ihr Ziel weit hinaus, (was mir am Anfang auch sehr oft passiert ist) und "verschlimmbessern" ihr Bild. Umso länger ich mich mit diesem Thema befasse und mir Bilder aus den 60er und 70er Jahren ansehe, um so mehr komme ich darauf, dass in Wahrheit das Fotografische wichtiger ist als die digitale Entwicklung. In der Beauty Branche setzt man PS ein, um schöne Menschen noch schöner zu machen. Noch schöner, noch größer, immer mehr neue Bearbeitungsmethoden. Bleibt da die Fotografie nicht auf der Strecke? Ich bin jetzt sogar schon soweit, dass ich wieder analog fotografieren werde!

Bei meinen Fotoworkshops stelle ich immer wieder mit Grauen fest, dass 70% der Teilnehmer keine Ahnung von Licht und Farben haben. Es wird großteils mit Halbautomatik gearbeitet. Wenn ich die Fotografen darauf anspreche, warum sie keinen Weißabgleich machen: "Den mach ich dann im Photoshop". Ich finde diese Entwicklung sehr bedenklich und habe auch genau deswegen meine Workshops umgestellt. Es wird nur mehr manuell fotografiert, das Licht wird mit dem Belichtungsmesser ausgemessen und der Weißabgleich am Objekt gemacht. Oft höre ich auch: "Ich muss ja eh nicht auf das Licht aufpassen, das mach ich dann im Photoshop". Klar, ich kann alles im Photoshop machen, inzwischen sogar Filme schneiden, nur was dann auf der Strecke bleibt, ist die Fotografie. Die Kamera wird immer mehr Mittel zum Zweck.

Ich habe für mich erkannt: Erst wenn ich ein wirklich gutes Foto habe, erst dann macht Photoshop Sinn und auch wirklich Spaß.

Ich werde mich weiter in meinen Workshops bemühen, den Leute wieder mehr die Fotografie näher zu bringen, damit sie einmal ein Foto in der Hand halten und sagen: Photoshop? Ich habe es nur darin entwickelt....

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Comments: 3
  • #1

    Marc (Saturday, 27 November 2010 17:29)

    Hi Steff.
    Ja ich stimme dir da schon zu. Auch die Projektidee finde ich sehr gut. Problematisch bzw. kontrovers wird es werden, da ja heutzutage jeder dem Ideal folgen will. Aber ich sehe auch eine gewisse Notwendigkeit, unseren Kindern diese falsche Illusion zu nehmen. Von daher freue ich mich auf Berichte/Ergebnisse zu deinemn Projekt.
    Grüße nach Austria.
    Marc

  • #2

    Chris (Tuesday, 07 December 2010 07:58)

    Ich kann dem hier geschriebenen nur voll zustimmen !!!

  • #3

    Eddy (Wednesday, 09 March 2011 12:07)

    Hallo Stefan,
    Du triffst es auf den Punkt. Leider ist diese Haltung aktuell nicht (mehr) sonderlich weit verbreitet - dazu kommt noch, daß es zuviele Leute gibt, die sich von inflationär eingesetzten EBV-Effekthaschereien blenden lassen, anstatt auch einmal die fotografische Leistung zu erkennen (und ggf. zu würdigen).

    Grüße,
    Eddy